Digitalisierungs-Förderung 2026: was noch offen ist - und was nicht mehr
Wer 2026 nach Förderung für Digitalisierung sucht, landet in einem Friedhof veralteter Blogartikel: Die zwei bekanntesten Bundesprogramme - go-digital und Digital Jetzt - sind beendet, einen Nachfolger gibt es nicht, und viele Ratgeber verschweigen das. Dieser Leitfaden zeigt, welche Wege für kleine und mittlere Unternehmen tatsächlich offen sind, mit Schwerpunkt auf Nordrhein-Westfalen und auf Projekten, bei denen eine Agentur Software oder KI-Lösungen entwickelt. Alle Angaben: Stand Juli 2026, gegen die offiziellen Quellen geprüft - Programme und Fristen ändern sich, prüfen Sie vor Budgetentscheidungen den aktuellen Stand.
Das Wichtigste in Kürze
- go-digital (Ende 2024) und Digital Jetzt (Ende 2023) sind beendet - einen Bundes-Nachfolger gibt es Stand Juli 2026 nicht; ab 2027 ist nur eine neue Mittelstand-Digital-Maßnahme angekündigt.
- In NRW ist MID-Digitalisierung der direkteste Weg: bis 15.000 Euro Zuschuss (50 Prozent) für externe Entwicklungsleistungen, Losverfahren über die NRW.BANK, Anträge bis Ende 2029.
- Die Forschungszulage wurde ab 2026 verbessert: 35 Prozent für KMU, 20 Prozent Gemeinkostenpauschale, Auftragsforschung zu 70 Prozent förderfähig - für neuartige Software- und KI-Entwicklung mit technischem Risiko.
- Der KfW-Förderkredit Digitalisierung finanziert größere Vorhaben; KI-Projekte gelten als HighEnd mit bis zu 5 Prozent Zuschuss (maximal 200.000 Euro) auf den Kreditbetrag.
- BAFA bezuschusst Strategieberatung mit bis zu 1.750 Euro in NRW - die Richtlinie läuft zum 31.12.2026 aus.
- Goldene Regel: niemals vor der Bewilligung beauftragen - auch keine mündliche Zusage; das zerstört die Förderfähigkeit.
Die Lage 2026: go-digital und Digital Jetzt sind Geschichte
go-digital, das Beratungs- und Umsetzungsprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums, ist zum 31. Dezember 2024 ausgelaufen - offizielle Begründung: die angespannte Haushaltslage. Digital Jetzt, der Investitionszuschuss für Digitalisierung, endete bereits zum 31. Dezember 2023. Auch das Schwesterprogramm go-inno nimmt keine Anträge mehr an. Einen offiziellen Nachfolger gibt es für keines der drei Programme; das Ministerium - seit 2025 als BMWE firmierend - verweist stattdessen auf Landesprogramme, die kostenfreien Mittelstand-Digital Zentren und KfW-Kredite.
Für 2027 hat die Bundesregierung eine neue Fördermaßnahme unter dem Dach von Mittelstand-Digital angekündigt; sichtbar ist davon bislang die Neuausschreibung des Zentren-Netzwerks - ein neues Zuschussprogramm für einzelne Unternehmen ist nicht angekündigt. Seien Sie deshalb skeptisch bei Seiten, die einen 'go-digital Nachfolger' versprechen: Dahinter steckt in der Regel Vertrieb, nicht Fakten. Die gute Nachricht: Die verbliebenen Instrumente sind zum Teil stärker, als es go-digital je war - allen voran die Forschungszulage und in NRW das MID-Programm.
MID in NRW: der direkteste Zuschuss für Software- und KI-Projekte
Mittelstand Innovativ & Digital (MID) ist das Digitalisierungsprogramm des Landes NRW - und seit dem 1. Januar 2026 neu aufgesetzt: Die Abwicklung liegt jetzt bei der NRW.BANK (nicht mehr beim Projektträger Jülich - viele Sekundärquellen sind hier veraltet), Anträge sind bis Ende 2029 möglich. Das Programm besteht 2026 aus drei Teilprogrammen; die früheren Gutscheine MID-Innovation und MID-Analyse existieren nicht mehr.
Für Softwareprojekte zählt vor allem MID-Digitalisierung: gefördert werden ausschließlich projektbezogene Entwicklungs- und Umsetzungsleistungen externer Dienstleister - also genau das Agentur-Modell - mit einem Zuschuss von bis zu 15.000 Euro bei maximal 50 Prozent Förderquote. Die offiziellen Beispiele nennen ausdrücklich KI-gestützte Kundenlösungen und Chatbots. MID-Digitale Sicherheit bezuschusst IT-Sicherheitsmaßnahmen mit ebenfalls bis zu 15.000 Euro (Mindestfördersumme 4.000 Euro), und MID-Assistent/in fördert die Einstellung von Hochschulabsolventen für Digitalprojekte mit bis zu 48.000 Euro über zwei Jahre.
Zwei Eigenheiten muss man kennen: Erstens läuft die Vergabe über ein Losverfahren - Sie melden sich an, ausgeloste Unternehmen haben dann 28 Tage für den digitalen Antrag. Es gibt also keinen Anspruch, aber die Anmeldung kostet wenig Aufwand. Zweitens gilt striktes Vorbeginn-Verbot: Vor der Bewilligung darf keine Beauftragung erfolgen, auch keine mündliche. Antragsberechtigt sind kleine und mittlere Unternehmen nach EU-Definition mit Sitz in NRW.
Forschungszulage: das stärkste offene Instrument - 2026 nochmal verbessert
Die steuerliche Forschungszulage ist der unterschätzte Riese der Förderlandschaft: ein Rechtsanspruch statt Losglück, bundesweit, ohne Antragsfristen - und seit 2026 deutlich aufgestockt. Kleine und mittlere Unternehmen erhalten 35 Prozent der förderfähigen Aufwendungen (andere 25 Prozent), die Bemessungsgrundlage stieg auf 12 Millionen Euro pro Jahr, auf die Aufwendungen kommt für Vorhaben ab 2026 pauschal ein Gemeinkostenaufschlag von 20 Prozent, und Eigenleistungen von Einzelunternehmern und Gesellschaftern zählen mit 100 Euro pro Stunde.
Der für Agentur-Projekte entscheidende Hebel ist die Auftragsforschung: Beauftragen Sie ein Unternehmen im EU-/EWR-Raum mit der Entwicklung, sind 70 Prozent der Auftragskosten förderfähig - die Zulage bekommen Sie als Auftraggeber. Ein KMU, das eine neuartige KI-Lösung für 100.000 Euro entwickeln lässt, kann so rechnerisch rund 24.500 Euro als Steuerzulage zurückholen (35 Prozent von 70 Prozent) - ausgezahlt wird auch bei Verlust, was die Zulage gerade für Startups interessant macht, und beantragen lässt sich bis zu vier Jahre rückwirkend.
Die Bedingung: Es muss sich um Forschung und Entwicklung im Sinne der Frascati-Kriterien handeln - neuartig, schöpferisch, mit ungewissem Ausgang, systematisch geplant. Die offizielle Begriffsdefinition nennt Softwareentwicklung ausdrücklich als möglichen FuE-Fall; Routine-Implementierung und Standard-Customizing zählen nicht, eine neuartige KI-Lösung mit echtem technischem Risiko kann qualifizieren. Der Weg ist zweistufig: erst die kostenfreie FuE-Bescheinigung bei der Bescheinigungsstelle Forschungszulage (BSFZ), dann der Antrag beim Finanzamt.
KfW-Förderkredit Digitalisierung: Finanzierung mit Zuschuss-Kicker
Für größere Vorhaben ist der ERP-Förderkredit Digitalisierung der KfW (Programme 511/512) der realistische Finanzierungsweg. Er finanziert Digitalisierungsvorhaben von neuer Software über digitale Geschäftsmodelle bis zum KI-Einsatz - Investitionen ebenso wie laufende Kosten - mit bis zu 7,5 Millionen Euro in der Basisstufe und bis zu 25 Millionen in den höheren Stufen.
Interessant macht ihn das Zuschusselement: Je nach Ambitionsniveau des Vorhabens gibt es einen ERP-Förderzuschuss von 3 Prozent (Stufe LevelUp) oder 5 Prozent (Stufe HighEnd) des ausgezahlten Kreditbetrags, gedeckelt bei 200.000 Euro - dieser Anteil wird nicht zurückgezahlt. KI-Integration mit unternehmenseigenen Daten ist offiziell als HighEnd-Themenfeld gelistet; die KfW-Beispiele nennen unter anderem einen KI-Chatbot auf internen Daten. Beantragt wird über die Hausbank; die Variante 512 mit 50-prozentiger Risikoübernahme durch die KfW erleichtert Unternehmen ab zwei Jahresabschlüssen den Kreditzugang.
Beratungszuschüsse und kostenfreie Angebote
Die BAFA-Förderung von Unternehmensberatungen bezuschusst Strategieberatung - auch zu Digitalisierung und KI - mit 50 Prozent von maximal 3.500 Euro förderfähigen Kosten in den alten Bundesländern, also bis zu 1.750 Euro pro Beratung in NRW, maximal zweimal pro Jahr. Wichtig: Die Richtlinie ist bis zum 31. Dezember 2026 befristet, ein Nachfolger ist nicht angekündigt - wer sie nutzen will, sollte es dieses Jahr tun. Gefördert wird nur Beratung, nicht Umsetzung, und der Beratungsvertrag darf erst nach dem Informationsschreiben des BAFA geschlossen werden.
Dazu kommen kostenfreie Angebote, die vor einem Projekt Orientierung schaffen: Die Mittelstand-Digital Zentren des Bundes bieten anbieterneutrale Workshops, Demonstratoren und rund hundert KI-Trainerinnen und -Trainer - das aktuelle Netzwerk läuft Ende 2026 aus, eine Neuauflage ist für 2027 ausgeschrieben. In NRW ergänzt die Landesplattform KI.NRW mit kostenfreier KI-Sprechstunde, Kick-off-Formaten und AI-Act-Informationen. Geld fließt hier keines, aber als kostenloser erster Schritt vor einer Investitionsentscheidung sind diese Angebote solide.
Für echte Forschungsprojekte: ZIM und EFRE-Calls
Das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) läuft 2026 mit einem Budget von 558 Millionen Euro weiter und fördert marktnahe Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit 25 bis 45 Prozent Zuschuss auf bis zu 690.000 Euro förderfähige Kosten pro Einzelprojekt. Die Hürde liegt höher als bei MID: Es muss sich um echte FuE mit technischem Risiko handeln, und eine Agentur kann nur begrenzt als FuE-Auftragnehmer oder Kooperationspartner eingebunden werden - für neuartige Produktentwicklungen mit Forschungsanteil ist ZIM aber eine ernsthafte Option.
Daneben schreibt NRW über die Innovationsförderagentur IN.NRW wettbewerbsbasierte EFRE/JTF-Calls aus, etwa für KI- und Digitalisierungs-Konsortialprojekte. Diese Calls haben feste Einreichfristen und richten sich meist an Verbünde aus Unternehmen und Forschungseinrichtungen - nichts für den schnellen Zuschuss, aber relevant, wenn Ihr Vorhaben Forschungscharakter und Partner hat.
So gehen Sie vor: Förderstrategie für Ihr Projekt
Erstens: Projekt vor Programm. Ein Vorhaben, das sich nur mit Zuschuss rechnet, ist kein gutes Vorhaben - Förderung ist Hebel, nicht Fundament. Zweitens: die goldene Regel aller Zuschussprogramme - niemals vor der Bewilligung beauftragen, auch nicht mündlich. Ein verfrühter Auftrag macht das gesamte Vorhaben förderunschädlich zunichte. Drittens: Aufwand ehrlich rechnen. Ein MID-Zuschuss von 15.000 Euro ist bei einem 30.000-Euro-Projekt ein starker Hebel, bei einem 150.000-Euro-Projekt Beiwerk - dort lohnt eher die Kombination aus Forschungszulage und KfW-Kredit. Viertens: Kumulierung prüfen - dieselben Kosten dürfen nie doppelt gefördert werden, und De-minimis-Grenzen gelten programmübergreifend; hier hilft der Steuerberater oder ein Fördermittelberater.
Unsere Rolle als Entwicklungsagentur dabei: Wir liefern die technische Projektbeschreibung, den Kostenplan und die Meilensteinstruktur, die Anträge und FuE-Bescheinigungen brauchen - und schneiden das Projekt so zu, dass es förderfähig bleibt (etwa: Start erst nach Bewilligung, sauber abgegrenzte Arbeitspakete). Die Antragstellung selbst liegt beim Unternehmen. Im Erstgespräch prüfen wir kostenlos, welcher der genannten Wege zu Ihrem Vorhaben passt - und sagen ehrlich, wenn keiner es tut.
Fördercheck im Erstgespräch - kostenlos und ehrlich
Häufige Fragen
Gibt es einen Nachfolger für go-digital?
Nein - Stand Juli 2026 gibt es kein offenes Bundes-Zuschussprogramm, das go-digital oder Digital Jetzt ersetzt. Das Ministerium verweist auf Landesprogramme, die kostenfreien Mittelstand-Digital Zentren und KfW-Kredite; für 2027 ist eine neue Mittelstand-Digital-Maßnahme angekündigt, aber kein Investitionszuschuss für einzelne Unternehmen. Seiten, die einen 'Nachfolger' bewerben, verkaufen meist Umleitungen.
Welche Förderung gibt es 2026 für KI-Projekte in NRW?
Drei realistische Wege: MID-Digitalisierung (bis 15.000 Euro Zuschuss für externe Entwicklung, KI-Lösungen sind offiziell als Beispiel genannt), die Forschungszulage (35 Prozent für KMU bei neuartigen Entwicklungen, auch als Auftragsforschung) und der KfW-Förderkredit Digitalisierung (KI ist HighEnd-Themenfeld mit 5 Prozent Zuschuss). Kostenfreie Orientierung bietet KI.NRW.
Wie funktioniert das MID-Losverfahren?
Sie melden Ihr Vorhaben zum Losverfahren an; ausgeloste Unternehmen haben anschließend 28 Tage Zeit für den digitalen Antrag über das NRW.BANK-Portal. Erst nach der Bewilligung dürfen Sie beauftragen. Es gibt keinen Rechtsanspruch auf Auslosung - aber die Anmeldung kostet wenig Aufwand, und die Antragsfrist läuft bis Ende 2029.
Bekomme ich Förderung, wenn eine Agentur die Software entwickelt?
Ja - MID-Digitalisierung fördert sogar ausschließlich projektbezogene Leistungen externer Dritter, also genau das Agenturmodell. Bei der Forschungszulage läuft die Beauftragung als Auftragsforschung: 70 Prozent der Auftragskosten sind förderfähig, die Zulage erhalten Sie als Auftraggeber. Wichtig ist in beiden Fällen die richtige Reihenfolge: erst Bewilligung beziehungsweise sauberer Projektzuschnitt, dann Beauftragung.
Zählt unsere Softwareentwicklung als Forschung für die Forschungszulage?
Entscheidend sind die Frascati-Kriterien: neuartig, schöpferisch, mit ungewissem Ausgang, systematisch geplant. Die offizielle Begriffsdefinition nennt Softwareentwicklung ausdrücklich als möglichen FuE-Fall - eine neuartige KI-Lösung mit echtem technischem Risiko kann qualifizieren, Routine-Implementierung und Standard-Customizing nicht. Die kostenfreie BSFZ-Bescheinigung im ersten Schritt schafft Rechtssicherheit, bevor Sie den Steuerantrag stellen.
Kann ich mehrere Programme kombinieren?
Grundsätzlich ja, mit zwei Grenzen: Dieselben Kosten dürfen nie doppelt gefördert werden, und De-minimis-Deckel gelten über Programme hinweg. Üblich ist etwa: MID-Zuschuss für ein abgegrenztes Teilprojekt, Forschungszulage für die FuE-Anteile, KfW-Kredit für die Gesamtfinanzierung. Die saubere Abgrenzung gehört in den Projektzuschnitt - und im Zweifel zum Steuerberater oder Fördermittelberater.
Übernimmt Olio die Antragstellung?
Wir liefern das technische Fundament: Projektbeschreibung, Arbeitspakete, Kostenplan und Meilensteine in der Form, die Anträge und die BSFZ-Bescheinigung brauchen - und schneiden das Projekt förderkonform zu. Die Antragstellung selbst liegt beim Unternehmen, bei der Forschungszulage typischerweise gemeinsam mit dem Steuerberater. Im Erstgespräch prüfen wir kostenlos, welcher Weg zu Ihrem Vorhaben passt.
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